Der blühende Staudengarten

Blumenwiesen bestehen aus Stauden, größtenteils zumindest. Ob Löwenzahn, Hahnenfuß, Wiesensalbei, Flockenblume oder Herbstzeitlose – es handelt sich um Stauden. Je nach Bodenart, Klima und Nutzungsform ergeben sich ein stabiles Gefüge und ein Lebensraum für unzählige Insekten. Blicken wir über den Gartenzaun (in den Garten hinein), so begegnen wir ihnen erneut (hoffentlich). Schnittlauch, Sonnenhut und Herbstastern, sie sind alle mehrjährig und winterhart.

Es ist nun uns überlassen, ob wir eine ebenso stabile Vielfalt im Garten schaffen wollen, oder uns mit der Ausrede: „Das macht ja so viel Arbeit“, dem Grünen Einerlei (Rasen) ergeben. Auch im Garten spielt die „Nutzungsform“ eine entscheidende Rolle. Wird nie eingegriffen, so werden Gräser und konkurrenzstarke Arten die Staudenpflanzung überwuchern, und letztendlich werden Bäume wachsen.

Wird im Garten aus ökologischen Gesichtspunkten ein Staudenbeet angelegt, so ist folgendes zu beachten:

Wenn also die zu pflanzenden Stauden ausgewählt sind – wahrscheinlich die schwierigste Phase – denn eine ist schöner als die andere, geht es an die Umsetzung.

  • Nicht zu eng pflanzen! Jede Staude muss sich ihrer Wuchsform entsprechend entwickeln können.
  • Keinen Rindenmulch verwenden! Die Gerbstoffe der Rinde wirken wachstumshemmend, Rindenmulch verbraucht bei seiner Umsetzung Nährstoffe, es kann zu pH-Wert Senkung kommen. Besser ist Grünschnitt, Laub, Kompost oder Kies.
  • Ob gemulcht oder nicht, im ersten Jahr sollte man keine Beikräuter dulden, damit sich die Stauden gut entwickeln können. Wem es all zu lückig aussieht, der kann gezielt Einjährige dazwischensäen, aber Vorsicht, dass sie die Stauden nicht bedrängen.
  • Je älter die Staudenpflanzung desto geringer wird der Pflegeaufwand. Die Stauden sollten mit der Zeit eine geschlossene Pflanzendecke ergeben, die sich zwar verändert, im Großen und Ganzen aber selbst reguliert.

Folgende Eingriffe sind sinnvoll:

  • Rückschnitt nach der Blüte, um ein Versamen zu verhindern bzw. um zu erneuter Blüte anzuregen und die Bestockung zu fördern. (Gilt natürlich nicht automatisch für alle Stauden.)
  • Teilen von alten, innen verkahlenden Pflanzenhorsten und neu aufpflanzen, um die Vitalität zu fördern.
  • Rückschnitt kranker Pflanzenteile, um eine rasche Regeneration zu ermöglichen und eine Übertragung auf Nachbarpflanzen zu vermeiden.
  • Düngen im Bedarfsfall: Mineralische Dünger sind nicht notwendig. Wenn überhaupt, sollte man gut abgelagerten Kompost verwenden, den man als Mulchschicht um die Pflanzen herum aufträgt. Die Pflanzen dürfen keinesfalls darin vergraben werden – das fördert Fäulnis. Viele Stauden, die natürlicherweise auf nährstoffarmen, oft trockenen Standorten vorkommen, reagieren auf ein Zuviel an Nährstoffen (und/oder organischer Masse) häufig mit übermäßigem Wachstum (neigen dann auch zum Umfallen) und verkürzter Lebensdauer. Deshalb ist es besser, zuerst zu beobachten und erst dann zu düngen.
  • Entfernen unerwünschter Pflanzen, die die Gemeinschaft stören.

Auf keinen Fall sollte man im Herbst generell Zurückschneiden! Manche Stauden werden dadurch frostempfindlicher. Viele Insekten nutzen trockene Stengel als Überwinterungsmöglichkeit, und Sie bringen auch sich selbst um schöne Herbst- und Winteraspekte, wenn Sie alles dem Erdboden gleichmachen.

Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, Stauden an Ort und Stelle zu säen. Es empfiehlt sich, das Saatgut mit einem Rechen leicht einzuarbeiten und anschließend festzudrücken (z. B. mit einem Brett). Lichtkeimer erst danach ausbringen! Nach dem Auflaufen der Keimlinge muss unbedingt vereinzelt werden, d. h. die zu dicht stehenden Sämlinge entfernen. Auf potenzielle Konkurrenzkräuter ist umso genauer zu achten, da sich diese meist schneller als die gewünschten Stauden entwickeln. Letztendlich werden gesäte Staudenflächen immer ein Zufallsprodukt bleiben.

Warum sollte man nun Stauden im Garten verwenden? Zunächst sicher einmal aus ästhetischen Gründen. Stauden sind wunderbare Zeitgenossen: Ihre Blüten schillern in den klarsten Farben, die Blattstrukturen sind mannigfaltig, Stauden verändern ihr Erscheinungsbild im Jahreslauf und sind doch dauerhafte Begleiter. Eine Staudenpflanzung ist als Dauerkultur zu betrachten. D. h. bei entsprechenden Mulchpraktiken wird der Humusaufbau gefördert und das Bodenleben nicht durch unnötiges Umgraben gestört. Bedingt durch viele verschiedene Pflanzengattungen und -arten, die bei einer ausgeglichenen Staudenanlage zum Einsatz kommen, sind die Vorteile einer Mischkultur gegeben. Aufgrund der unterschiedlichen Blühzeitpunkte der Pflanzen kann man ein bewusstes ganzjähriges (natürlich nur zur Vegetationszeit) Blühangebot für Insekten schaffen. Dabei sollte man unbedingt Frühjahrszwiebelpflanzen miteinbeziehen, sie stellen ein wichtiges Nahrungsangebot dar (z. B. Blaustern, Schachbrettblume).

In unserer Übersicht sind Stauden angeführt, die bei Insekten allgemein und speziell auch bei Honigbienen sehr beliebt sind. Diese Liste ist mit Sicherheit nicht vollständig. Sie soll lediglich bei der Zusammenstellung Ihrer Staudenpflanzung hilfreich sein, wenn es darum geht, zahlreiche Insekten in Ihren Garten zu locken. Mehr Wissenswertes erfahren sie auch unter Netzwerk Blühende Landschaften sowie unter Hortus Insectorum